„Freundschaft-Liebe-Sexualität

1. Ausgangslage

Unter dem Begriff „Sexualität“ verstehen wir alle Aspekte der menschlichen Existenzweise, in denen die Tatsache des Mädchen- oder Junge, Mann- oder Frauseins eine Rolle spielt. Somit umfasst Sexualität aus unserer Sicht das ganze Gebiet von Verhaltensweisen in den menschlichen Beziehungen, im Bereich von Liebe, Zärtlichkeit, Sensualität, Erotik und körperlicher Sexualität. Sexualität ist nicht altersgebunden: Vom Säugling bis ins hohe Alter ist sie, dem individuellen Entwicklungsstand entsprechend, ein wesentliches Merkmal zwischenmenschlicher Beziehungen. Damit ist Sexualität ein wichtiges Thema – für jeden Menschen. Sie ist grundlegender Bestandteil jeder Persönlichkeit. Sie verdient Respekt und, wo dies erforderlich ist, unterstützende Begleitung. Jedes/r Kind/Jugendliche hat ein Recht auf alters- und situationsgemäße sexuelle Aufklärung.

2. Themen und Inhalte

· Freundschaft, Liebe, Sexualität

· Sprache

* Pubertät (Unsicherheiten)

* Zyklus der Frau und Intimhygiene

· Männlicher Körper/weiblicher Körper

· Geschlechtsakt, Befruchtung & Schwangerschaft

· Verhütungsmittel

3. Zielsetzung

Primäres Ziel ist es, dass sich die Jugendlichen mit Fragen zu Freundschaft, Liebe und Sexualität auseinandersetzen und Verantwortung für sich selbst und anderen Menschen wahrnehmen und übernehmen. Es soll eine Sprache zu Körper und Sexualität entwickelt werden, um den Jugendlichen zu ermöglichen, sich angemessen und eindeutig zu verständigen und ihnen den Unterschied zwischen Gassensprache und angemessener Sprache zu verdeutlichen. Lebenskompetenzen sollen gefördert werden: Dies bedeutet Stärke, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Autonomie. Das Experimentieren mit dem eigenen Körper ist für die Entwicklung der Ich-Identität und Autonomie von großer Bedeutung. Das Wissen um die eigene Körperlichkeit macht Menschen stark, sich bei sexuellen Grenzverletzungen nicht alles gefallen zu lassen und sich adäquat zur Wehr setzen zu können. Zudem macht es sie sprachfähig für unterschiedlichste Themen und ermöglicht die Wahrnehmung vielfältiger Gefühle und Ausdrucksformen unter Einbeziehung aller Sinne.

4. Arbeitsweisen und Prinzipien

Uwe Sielert beschreibt Haltungen, die für eine gelingende Sexualerziehung förderlich sind (vgl. Uwe Sielert, 1993).

1. Weniger Aufgeregtheit, mehr ruhige Reflexion

Sexualerziehung soll ruhig und reflektiert angegangen werden, im Bewusstsein um die Begrenztheit sowohl des Auftrags, wie der Möglichkeit von Erziehung und im Vertrauen auf die Selbstgestaltungskraft der Kinder/Jugendlichen.

In der Sexualerziehung sind Kompetenz, Authentizität und Präsenz entscheidend.

2. Freundliches Begleiten

Sexualerziehung berücksichtigt den Lebenskontext der Kinder/Jugendlichen und begleitet aufklärend, konfrontierend und helfend, in Achtung vor der Lebendigkeit und dem Selbstbestimmungsrecht der Kinder und Jugendlichen.

Wir akzeptieren die individuellen sexuellen Entwicklungen auf allen Altersstufen ohne zu

werten.

3. Störungen und Unvollkommenheiten als Chance begreifen

Die individuellen biographischen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen enthalten
auch Brüche, Sackgassen und Konflikte. Unsere Sexualerziehung soll mitfühlend und mitdenkend Mut machen, diese Ereignisse als Chancen zu nutzen und vor eigener Stellungnahme und Konfrontation mit den Kindern/Jugendlichen nicht zurückschrecken. Sexualität ist nicht nur Problem, sondern vor allem Lust-, Energie- und Kraftquelle für den Menschen.

4. Ressourcen und Rahmenbedingungen

Das vom Jugendzentrum Kassianeum entwickelte Projekt „Freundschaft-Liebe-Sexualität“ ist ein sexualpädagogisches Angebot für Schüler_innen ab der 7. Schulstufe. Es wird mit Schulklassen der Mittelschulen von einer weiblichen und einem männlichen Sexualpädagogin/en durchgeführt und findet in den Räumlichkeiten des Jugendzentrum „Kass“ statt. Innerhalb des sexualpädagogischen Projektes geht es mittels unterschiedlicher Moderationsmethoden (Referat, Info-Poster, Filmbeitrag, anonyme Fragebox, Diskussion u.ä.) um die Auseinandersetzung zu den Themen „Freundschaft-Liebe-Sexualität“.

Erhöhtes Wissen bei den Schüler_innen über Sexualität in ihrer Ganzheit, Förderung von Eigenverantwortung und die Entwicklung eines adäquaten Verhaltens und einer adäquaten Sprache mittels eines altersgerechten Angebotes. Durch die Aufklärungsarbeit von außerschulischen Sexualpädagogen wird die Offenheit der Jugendlichen gefördert.

5. Durchführung/Ablauf

1) Einführungsrunde mit Kennenlernspiel

2) Anonyme Fragebox

3) Erarbeitung der Begriffe „Freundschaft-Liebe-Sexualität“ – Diskussion

4) Pubertät – Männlicher/weiblicher Körper – Befruchtung/Schwangerschaft- Vermittlung von Sachinformationen und Theorie zum Körper und dessen Funktionen anhand von haptischen und visuellen Methoden (Paomi-Modelle, Plakate..)

5) Verhütungsmittel haptischen und visuellen Methoden (Vorzeigen von Verhütungsmittel)

6) Kurzfilm zur Aufklärung „Sex we can“ mit Nachbesprechung

7) Verifizieren des erweiterten Wissensstandes durch gemeinsame Beantwortung der gesammelten Fragen (Fragebox)

8) Feedbackrunde

5. Durchführungszeitraum und Kosten

Das sexualpädagogische Projekt wird ab Februar 2019 für die fortlaufenden Schuljahre angeboten. Es nimmt einen gesamten Schultag (6 Zeitstunden) in Anspruch. Es gibt die Möglichkeit für 4€/Schüler_in im Speisesaal der Jugendherberge Kassianeum zu Mittag zu Essen. Für die Schulen fallen Projektkosten von 180,00 Euro pro Klasse an.

6. Anmeldung

Die Schulen werden von den Jugendzentren mit Informationen und Anmeldeformular angeschrieben. Die Anmeldung erfolgt nach telefonischer (ev. auch über E-Mail) Terminvereinbarung mittels des Anmeldeformulars. Dieses wird von der Schule an das Jugendzentrum gesendet. Der Termin ist erst dann bindend, wenn die Schule die schriftliche Bestätigung des Jugendzentrums erhalten hat. Die Teilnahmegebühren sollen vor dem Besuch der Ausstellung überwiesen werden.

Anmeldeformular hier downloaden!